Hans-Georg Weber:
Ist nicht eben dies Liebe?

'Die Aufarbeitung ... fand ich nicht nur gelungen, sie zeugt auch von einem ... angenehm aufmerksamen Umgang mit dem Text und damit auch dem Autor.'

Heinz Wilhelm Kempgen:
Zur Geldgeschichte des Staates Qin

'Die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und mir hat reibungslos und vorbildlich funktioniert, das will ich dankbar anerkennen.'

Ingeborg Steiner-Beyer:
Lichtfunken von Engeln und Erzengeln

'Ich habe die Zusammenarbeit als sehr angenehm und aufbauend empfunden'

Klaus Plaar:

Juden, Jesus, Judas

Neues Testament, christlicher Antijudaismus und rezeptionsgeschichtliche Wurzeln der Judenverfolgung von der Antike bis zur Gegenwart

Die vorliegende Untersuchung zeichnet nach, worauf Judentum und Christentum beruhen, wo Gemeinsamkeiten und Brüche liegen, was die Quellen des christlichen Judenhasses sind, wann und wie er entstand, begründet und tradiert wurde, so dass es zur entsetzlichen, unbeschreiblichen Katastrophe der Schoah kommen konnte. Grundsätzlich will das Werk die Ursprünge und Wege des christlichen Antijudaismus und Antisemitismus von der Antike bis zur Gegenwart aufzeigen. Band I zeichnet zunächst ein Bild der Entwicklung des jüdischen Gottgedankens von Moses bis Jesus. Auf diese Weise wird der kulturell schöpferische Impuls des Judentums zur Gottesvorstellung thematisiert. Das ermöglicht dem Leser einen hochgradig an der Geschichte orientierten Zugang zur Überlieferung. Zugleich ist damit die kulturelle Situation bezeichnet, aus der Jesus später seine religiöse Identität bezieht. Im Unterschied zu anderen Forschungsansätzen rein theologischer Provenienz werden der hier vorgelegten, interdisziplinären Arbeit die zeitgeschichtlichen, politischen und jüdischen Kontexte zur Zeit der Entstehung christlicher Überlieferungen anhand von Primärquellen zu Grunde gelegt. Die religiöse Geschichte muss zur politischen Geschichte Israels in Beziehung gesetzt und immer in diesem Zusammenhang gesehen werden: Sie ist der Dreh- und Angelpunkt zur Zeit Jesu, auch in den Evangelien – obschon sowohl deren Verfasser wie auch Generationen von Theologen alles daran gesetzt haben, Jesus zu entpolitisieren. Am jesuanischen Gottgedanken wird die jüdische Kontinuität im Denken Jesu verdeutlicht. Dass die Evangelien grundsätzlich christologisch konzipiert sind, wird an einigen Beispielen literarkritisch dargelegt, wobei sich neben offenkundig antijudaistischen Stellen auch an den klassischen Messiastypologien, an supranaturalistischen Narrativen, an der paulinischen Christologie wie auch am johanneischen Gnostizismus neutestamentlicher Antijudaismus nachweisen lässt. In einem weiteren Block werden die halachischen und haggadischen Elemente der Reden, Sprüche, Gleichnisse und Apophthegmata Jesu aufgezeigt, wobei auch jüdische Parallelen berücksichtigt werden.

Die angebliche Parthenogenese ließ Jesus lange Zeit losgelöst von familiären Banden erscheinen. Im vorliegenden Band II wird aufgezeigt, wie weitverzweigt der historische Jesus familiär und sozial vernetzt war, weit über den Jüngerkreis hinaus – in ganz Israel und bis in den Sanhedrin hinein. Um zu verstehen, wie es zur Hinrichtung Jesu kam, schildert dieser Band auch die politischen und religiösen Voraussetzungen, die von den Herodianern, Römern und Sadduzäern geschaffen worden waren. Dann nähern wir uns der Passionsgeschichte, dem zentralen Punkt der Evangelien. Die Verhaftung Jesu, die Verhöre durch die Sadduzäer, Pilatus und Herodes Antipas machen deutlich, dass es kein ordentliches Gerichtsverfahren gegeben hat, sondern nur eine standrechtliche Verurteilung zum Tode durch Kreuzigung – ohne Schuldspruch! Mit der angeblichen Passahamnestie, der Barabbasperikope und dem Zögern des Pilatus verdichten sich die antijudaistischen Verzerrungen in den Evangelien zum ›Kreuzige ihn! Kreuzige ihn!‹, das ›die Juden‹ geschrieen haben sollen. Von daher rührt die Gottesmordlüge – mit verheerender Wirkungsgeschichte. In einem nächsten Schritt geht dieser Band der Frage nach, inwieweit christliche Theologie der Schoah Vorschub geleistet hat. Da ist zunächst Judas Iskarioth als personifizierter Kristallisationspunkt des christlichen Antijudaismus zu nennen. Wie der Apostel Judas zum ›verteufelten Juden‹ wurde, zur Metapher für absolute moralische Desintegration, wird anhand der evangelischen Texte und der Judasikonographie des Mittelalters aufgezeigt. Die Adversus-Judaeos-Texte der Kirchenväter bis zum frühen Mittelalter belegen eindrücklich, in welchem Maß sich christliche Homiletik dazu verpflichtet fühlte, Judentum und Juden abzuwerten. Diese Entwicklung strömt in Martin Luthers ›Traktat wider die Juden‹ einem Höhepunkt zu, der auch physische Zwangsmaßnahmen nicht mehr ausschließt. Der sogenannte ›Neue Antisemitismus‹, der sich im 19. Jahrhundert entwickelte, implementiert säkulare sowie rassische Elemente. Der Antisemitismus hat den theologischen Antijudaismus aber nicht etwa ersetzt oder abgelöst, sondern vollständig in sich aufgenommen.

Der Autor Klaus Plaar, Jahrgang 1947, ist in Essen-Werden (BRD) geboren. Lehre als Fotograf, frühes Interesse für Literatur, Philosophie, Geschichte und Religionen. Weiterbildung in den Bereichen Judaistik, Theologie, Kirchengeschichte und Antisemitismusforschung. Publizistische Tätigkeit zu kulturgeschichtlichen Themen, darunter drei Bücher sowie ungezählte Aufsätze und Essays. Ab 1. Januar 1992 Redakteur des ›Zofinger Tagblatts‹, Ressort Kultur. Ab 1995 Leiter der Volkshochschule Region Zofingen (Schweiz). Seit seiner Pensionierung im Jahr 2009 hat Klaus Plaar an der Druckreife der vorliegenden Publikation gearbeitet.
1. Auflage 2016. 1150 Seiten, Paperback, aufgeteilt in 2 Bände; 31 farbige Abbildungen, 27 Schwarzweißabbildungen
ISBN: 978-3-89846-749-0

148,00 EUR

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